Des Bänkers Schicksal: Woher kommen die vielen Selbstmorde in der Finanzbranche?

Über 60 Opfer zählt die Suizid-Serie, die vor rund zwei Jahren aufgedeckt wurde. Doch die Dunkelziffer umstrittener Todesfälle in der Welt des Geldes ist wesentlich höher…

Insbesondere in den Jahren 2014 und 2015 wurde eine Serie tödlicher Unfälle und Suizide bekannt, die sich tragischerweise in der Finanzwelt abgespielt haben. Beinahe wöchentlich wurden neue Opfer bekannt gegeben, die allesamt bei Banken, Investorenhäusern oder großen Finanzverwaltungsunternehmen angestellt waren. Die Todesumstände der Opfer waren nicht selten höchst verwunderlich: Gleich mehrere haben sich aus ihren Büros in den Hochhäusern aus dem Fenster gestürzt, andere haben sich zu Hause stranguliert, einer soll sich sogar mit einer Nagelpistole qualvoll hingerichtet haben. Wieder andere brachten sich nicht um, sondern sind „tödlich verunglückt“, waren also auf Geschäftsreisen, von denen sie nie wieder zurückgekehrt sind. Insgesamt wurden in den beiden Jahren über 60 Opfer verzeichnet, die zahlreichen aus den Jahren vor 2014 wurden dabei überhaupt nicht mit einberechnet.

Die Finanzbranche ist ein hartes Pflaster, das weiß jeder, der sich schon einmal intensiver mit ihr auseinandergesetzt hat. Kampagnen wie die „pencils down“, bei der die viele Arbeit wenigstens am Wochenende niedergelegt werden sollte, mussten offiziell befolgt und inoffiziell ignoriert werden. Das heißt 24 Stunden erreichbar sein, an 7 Tagen die Woche und 16 Stunden Bürozeit sind auch keine Seltenheit. Als Angestellter sieht man ständig den Chef und die Kollegen, hat aber weder Zeit für Familie noch Freunde. Mit diesem Druck umzugehen fällt nicht immer leicht. Doch auch Druckluftventile haben sich in der Finanzbranche erfolgreich etabliert: Meistens dreht es sich dabei um ausgiebige Partys, ein besonders extremer Fall war der, der Hamburg-Mannheimer, die laut „Spiegel-Magazin“ ganz offensichtlich für ihre besten Vertriebler weder Kosten noch Mühen scheute.

„Drogen, Sex und hohe Gehälter, dafür leben erfolgreiche Bänker“. Wer sich aus alldem nichts macht, wer weiterschuftet und ehrgeizig ist, der steigt auf in der Unternehmenshierarchie. Abteilungsleiter, Geschäftsstellenleiter, der Weg nach oben ist immer offen. Doch gibt es auch Menschen, die die bizarre Mischung aus exorbitantem Lifestyle und unnachgiebigem Druck nicht standhält. Denn manch einer hat dabei immerhin seine Frau betrogen, andere danach die Kontrolle über den Drogenkonsum vielleicht nicht mehr so ganz im Griff. Zudem gibt es ja auch noch zahlreiche Zeugen all dieser Missgeschicke. Wer dem Ganzen eben nicht mit der gewünschten, gleichgültigen Lässigkeit begegnen kann, der wird unumgänglich zum Problem diffamiert. Denn eines kann die Finanzbranche überhaupt nicht brauchen: Sicherheitslücken. Wer in vertrauliche Projekte involviert ist, aber als zu schwach gesehen wird um mit diesen Informationen dem Firmenethos entsprechend umzugehen, der wird schnell und ausgiebig getestet. Das beginnt bei Kollegen-Mobbing, geht über zu Psychoterrorattacken und endet mit waschechter Bedrohung oder Erpressung. Zündstoff gibt es schließlich genug. Ob man aussortiert wird oder nicht, liegt irgendwann nicht mehr in der eigenen Hand. Auswege aus einem solchen Szenario zu finden ist schwer. Professionelle Hilfe zu Rate zu ziehen ist dabei einer der möglichen Wege die man gehen kann. Die Opfer der 2014er Suizid-Serien haben sich vermutlich gegen die Hilfe von außen entschieden. Doch offensichtlich lässt sich nicht alles, was in der Finanzbranche geschieht, erfolgreich von alleine klären.

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